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Immer wieder ein besonderes Erlebnis ist Stefan's beliebte Tour zum Buschenschank "Berg Josl" in der Nähe der
Ortschaften Verschneid - Mölten in Südtirol. Diese sehr idyllisch und recht versteckt liegende Jausenstation gilt als
richtiger Geheimtipp für einen tollen Motorradausflug. Unweit des Buschenschankes betreibt der Wirt eine Tierruhestätte.
Sogar das Bayerische Fernsehen soll schon einmal über diese wunderbar auf dem Berg gelegene Schänke berichtet haben.
Doch nicht nur das Auge wird verwöhnt, sondern es ist vor allem der Gaumen, der mit Südtiroler Speck, Käse und leckerem Wein
verzückt wird. Doch dazu später mehr...
Zunächst möchte ich über die Anfahrt dort hin berichten.
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Von München startend ging es über Schäftlarn - Bad Tölz - Lenggries und über den Achenpass. Am Ende des Sees in Maurach
bogen wir dann Richtung Jenbach ab. Es folgte ein eher unattraktives Stück auf der B171 Richtung Innsbruck. Bei Volders bogen
wir jedoch wieder ab auf kleine Landsträßchen Richtung Tulfes/Rinn und dann weiter auf der alten Brennerbundesstraße. Hier
fährt es sich angenehm einsam und ich stelle mir vor, wie sie hier früher mit ihren historischen Fahrzeugen Richtung Italien
gekurvt sind. Dabei muss ich selbst aufpassen, dass ich das Einlenken nicht verpasse: Bei der Einfahrt in die Ortschaft Mühltal
geht es entlang einer Felswand ziemlich scharf ums Eck. |
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Das Penserjoch |
Ich muss einen sauberen Körpereinsatz hinlegen, damit die Fuhre noch ums Eck geht.
Wieder hellwach beschließe ich, auf dieser schmalen Straße mit meinen Gedanken bei den vor mir liegenden Kurvenradien zu
bleiben. Bei der Ortschaft Matrei fuhren wir dann wieder in die Brenner-Bundesstraße ein. Hinter Sterzing wartet das Penserjoch,
um unter die Gummis genommen zu werden.
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Schon oft ist man hier drüber gefahren - und doch ist es immer wieder ein Adrenalinspender. Eigentlich
sollte man die Stellen schon kennen, aber trotzdem ist man jedesmal überrascht, wenn es einen beim Angasen aus dem Kurvenscheitel
versetzt, weil die Fahrbahnunebenheit zu spät gesehen wurde. Deswegen tut man gut daran, auf der Passhöhe kurz inne zu halten.
Außerdem lohnt die Aussicht in die Ferne.
Die Südrampe ins Pensertal - oder auch Sarntal genannt - hinunter verleitet noch einmal mehr den Hahn etwas weiter auf zu drehen.
Hier dominieren lange Geraden und später dann langgezogene Kurven. Wir machten noch einmal Halt, denn Stefan kennt sich aus und
zeigte uns, wo man hier guten Speck einkaufen kann. |
Direkt an der Straße steht ein historischer Traktor mit dem Hinweisschild "Speckverkauf". Doch hier gibt es auch
jede Menge anderer fleischlicher Leckereien. Deswegen kehrten wir in des Metzgers Probierstube ein. "Zum Speck g'hört a guata Wein!"
sprach dieser und stellte eine Karaffe mit einigen Gläsern auf den Tisch. Einige von uns zögerten - schließlich war man noch nicht
am Ziel. "Wir sind ja gleich da - jetzt iss eh scho Wurscht!" war die Motivationsrede, um auch noch den letzten Zögernden zu einem
Glaserl Wein zu überzeugen. "Na, oans vertrags't scho, odä?" wunderte sich der stämmige Metzgers-Bursche für den es offenbar eine
neue Erfahrung war, dass Motorradfahrer beim Wein zögerlich sind. Heutzutage muss man da schon aufpassen...
Der Metzger holte ein riesen Stück Speck nach dem anderen aus seinem Kühllager: Rohen Speck, gekochten Speck, manche Teile fast 30kg
wiegend. Wie Butter fuhr sein Fleischermesser quer durch den Schinken, um uns mundgerechte Schnittchen zu reichen. Am Ende verließ
jeder mit einem schweren Beutel Fleischware bewaffnet den Laden und mancher hatte Probleme die Sachen noch zwischen Schlafsack und
Luftmatratze zu verstauen. Alles aufgesattelt ging es dann weiter, um das letzte Sahnestückchen der Tour zu absolvieren.
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Und hoch die Tassen! Dem Peter schmeckt's schon. |
In Bozen ankommend fuhren wir gleich im ersten Kreisverkehr rechts weg (Hinweisschild Jenesien), um anschließend durch eine
Art Korkenzieher-Straße an Höhenmeter zu gewinnen: In einer 360° Kurve schraubt sich der Straßenverlauf nach oben. Ein sehr seltsames
Gefühl in einer Kurve zu fahren, die anscheinend niemals enden will. Ideal, um am Schräglagenwinkel zu feilen, sofern kein Schmutz
auf der Fahrbahn liegt. Und noch ein ganzes Stück weiteren Kurvenspaß gibt es auf dieser Strecke bis Jenesien. Dann ging es auf einer nunmehr
3m breiten Straße durch bewaldetes Gebiet, bis man auf die Möltnerstraße (von Terlan nach Verschneid - Mölten) stößt. Von hier sind es noch
ein paar Kilometer, bis man am Straßenrand das Hinweisschild "Berg Josl-Buschenschank-Tierruhestätte" erblickt. Ein schwierig zu fahrendes
Sträßchen, weil sehr schmal und eng gewunden führt hoch zur Jausenstation.
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Wie es sich für eine Jausenstation gehört, serviert der Wirt erst mal bei Ankunft eine deftige Brotzeit (=Jausen). Neben Speck und dem
typisch Südtiroler Hartkäse reicht der Wirt einen süffigen Wein, der ziemlich gut anschlägt, wenn man den ganzen Tag auf dem Bock sitzt.
Man sitzt an urig-rustikalen Holztischen und -bänken unter Bäumen, bzw. wie in unserem Fall unter einem Dach aus Weinreben. Doch die
Speck- und Käsebrotzeit ist noch nicht alles. Zu späterer Stunde heizt der Meister dann seinen Grill an und serviert eine deftige
Grillplatte.
Klar, dass das in solch geselliger Runde ein paar Flaschen Wein mehr als üblich die Kehlen hinunter fließen. Da wird es schnell
recht lustig am Tisch und Gäste von Nachbartischen gesellen sich hinzu. Im letzten Jahr saßen wir mit lustigen schwäbischen Bikern
zusammen und auch dieses mal kam jemand vom Nachbartisch dazu. Diesem gefiel es so gut bei uns, dass er seine Kameraden verabschiedete,
die dann ohne ihn los fuhren. Das passiert schon mal bei einem Aufenthalt bei der Berg Josl...
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Geselliges Jausen an Holztischen. |
Da schmeckt der Wein nochmal so gut. |
Diese Brotzeit stillt den ersten Hunger. |
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Zu später Stunde hat man sich die nötige Bettschwere angetrunken - und die braucht man auch auf der Berg Josl.
Denn Betten für Übernachtung sind Fehlanzeige. Zwar gibt es oberhalb vom Stadl in der Scheune eine Art Matratzenlager zwischen
alten Brettern und landwirtschaftlichen Geräten. Die Matratzen sehen aber so aus, als wollten sie jeden Moment weglaufen. Wir zogen die
Übernachtungsmöglichkeit auf dem Balkon vor und wenn man Glück hat, ist es im September nicht allzu frisch in der Nacht. Alternativ
kann man es sich auch im Stadl auf einer der Bänke bequem machen.
Auch Duschen und Frühstück am nächsten Morgen gibt es nicht. Da heißt es nur Zähne putzen, zusammenpacken, versuchen den eventuell
dicken Schädel in den Helm zu bekommen und dann ein Frühstückslokal aufsuchen. Als ersten Test für die eigene Fahrtüchtigkeit gilt es,
das schmale Zufahrtssträßchen wieder hinauf- und hinunter zu zirkeln. Wer das nicht schafft sollte sich noch ein paar Stündchen aufs
Ohr legen. Das anschließende Kurvenräubern bis Meran macht einen dann jedoch gleich wieder fit...
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Weitere Sitzplätze bei der Berg Josl. |
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Auf diesen Bildern sieht man den Balkon. In der Nacht kann es da schon einmal eng zugehen, wenn die Blase drückt. Mit
einem Hindernislauf muss gerechnet werden... |
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Alle neuen Teilnehmer waren begeistert von den landschaftlichen Eindrücken und den kulinarischen
Köstlichkeiten, die auf der Berg Josl geboten werden. "Das müssen wir im nächsten Jahr wieder machen!" ist die einhellige Meinung.
Und so werden es jedes Jahr ein paar Mitfahrer mehr. |
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Die Aussicht ins Tal vom Balkon der Berg Josl. |
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Berg Josl Stadl mit uriger Kneipe im Inneren. |