Im U-Boot nach Samnaun?

Halten die Klamotten? Hier ein "Testbericht" von der Samnaun-Tour am 7. Juni 2008

Im U-Boot nach Samnaun? Das war eine Tour. Vollmundig angekündigt als Tagestour mit 500km, eher mehr, fiel die ganze Sache buchstäblich ins Wasser. Während im Vorfeld die einzelnen Teilnehmer noch akribisch prüften wer denn nun mitfahren würde und wie die Strecke 'genau' verlaufen würde knickten einer nach dem anderen weg, je näher der Starttermin rückte.
Zugegeben, die Wetteraussichten waren bescheiden, die optimistischste Prognose war noch "überwiegend trocken, im Süden vereinzelt heftige Regenfälle". Übrig geblieben ist ein einziger Mitstreiter, Kapitän zur See, Freischwimmer und U-Boot Pilot in einem, ausgerüstet mit seinem U-Boot vom Typ Transalp. Nach kurzer Lagebesprechung stachen wir in See und ignorierten den bisweiligen Dauerregen hartnäckig. Starnberg-Fischen-Dießen-Rott - ein super Gefühl, außer uns keiner unterwegs, die Klamotten halten trocken und warm, Fahrstil perfekt an das Wetter angepasst, abwechselnd Nieselregen, Sprühregen, kräftiger Regen, Wasser in jeder nur erdenklichen Form. Der Wegweiser nach Kinsau ist durchgestrichen, also die Lechbrücke nicht befahrbar. Wir müssen also irgendwie anders fahren und wegen dem Dauerregen hole ich natürlich meine Karte nicht aus dem Tankrucksack. Weiter nach Gefühl in Richtung Berge und dann das: Weilheim!
Wo um alles in der Welt kommt jetzt plötzlich dieses Weilheim daher? Und: Wenn ich nach Weilheim gewollt hätte, dann wäre ich von Anfang an anders gefahren! Hilft nix, nicht die Nerven verlieren und weiter: Weilheim-Peißenberg-Rottenbuch-Steinegarden-Lechbruck, Wasser, Wasser und noch mal Wasser. Unterwegs sehen wir wunderschöne Landschaften, einzigartige Natureindrücke wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt, Nebelschwaden die aus den Wäldern aufsteigen und die Hänge empor krabbeln, alles riecht intensiv nach Waldboden und Wiese. Das beruhigt und befriedigt. Füssen-Pfronten abbiegen ins Thannheimer Tal und STOP. Brücke gesperrt, das war's. Spätestens hier muss auch ich einsehen, dass die ursprüngliche Tour wohl nicht mehr durchzuführen sein wird. Der Umweg jetzt, egal wie, würde zu viel Zeit und Nerven kosten. Die Nässe kriecht inzwischen durch alle Ritzen, nach drei Stunden im Regen ist der anfängliche Optimismus den Tatsachen gewichen und Polo-Tex ist halt kein Gore-Tex! Wir betrachten noch kurz die für unsere Motorräder unüberwindbaren Baustellenzäune und Betonbarrieren und drehen um, suchen uns in Pfronten eine gemütlichen Gasthof und machen erstmal Mittagspause mit Allgäuer Krustenbraten.

Bestandsaufnahme: Die Transalp mit Michelin Anakee Bereifung und die BMW1150GS mit Metzeler Tourance Bereifung wird bescheinigt, dass sie absolut problemlos bei so einem Wetter zu fahren sind. Die Heizgriffe arbeiten gut und unauffällig. Ansonsten keine Auffälligkeiten. Die Handschuhe sind durch, sowohl seine mit Membrane und meine, ohne Membrane, sowieso. Daytona Stiefel sind angeblich noch dicht, meine nun fünf Jahre alten Polo Endurostiefel haben heute zum ersten Mal hemmungslos Wasser reingelassen. Die Pharao Hose mit Polo Membrane lässt durch (schon immer, G'lump!) dafür ist die BMW Unterhose immer noch warm und empfehlenswert. Mein Sweatshirt zeigt deutliche dunkle Flecken verursacht durch Feuchtigkeit, welche offensichtlich von unten hoch gesaugt wurde. Von oben,Schulter und Brust, ist alles trocken. Die Jacke (Polo Premium-Tex-Membrane) ist also weitestgehend dicht, bis auf geringe Durchlässigkeiten an den Armen gibt es keine Beanstandungen. Super positiv fällt das nachträglich eingeklebte Anti-Beschlag Visier auf. Kostet ca. €10,- im Zubehör und hält was es verspricht.

Gute zwei Stunden später hat doch tatsächlich der Regen aufgehört. Richtung Füssen-Reutte-Plansee sind sogar die Straßen trocken, erst im Ettal fängt es wieder an zu nieseln. Obersdorf-Penzberg-Seefeld-Münsing-Höhenrain-Aufkirchen-Starnberg- Wangen-Fürstenried, immer wieder kleinere Regennester, aber alles nichts im Vergleich zum Vormittag.

Unterm Strich zusammengefasst: Das ursprüngliche Ziel nicht erreicht, 350km, zum größten Teil im Regen, die Ausrüstung hat ihre Schwächen offenbart und es hat trotzdem Spaß gemacht :-)

Bis zum nächsten Mal. JOK

Bericht von Johannes