Einsteigertraining am 23. April '05

Gruppenbild

Am Samstag, den 23. April trafen wir uns zum Einsteigertraining organisiert von Rudolf und Jockl. Dieses jährlich zu Saisonbeginn durchgeführte Trainingsprogramm soll dazu dienen, sich mit seinem Motorrad nach dem Winter wieder vertraut zu machen. Neben den bekannten Trainingseinheiten, wie langsamer und schneller Slalom, bzw. Gefahrenbremsung wurden auch Gleichgewichtsübungen durchgeführt, um das dynamische Verhalten seines Motorrades besser kennen zu lernen.

Trainingspgrogramm

Rudolf (rechts im Bild), der beruflich Fahrlehrer ist, überlegt sich ein mögliches Programm. Er beginnt mit allgemeinen Dingen zur mentalen Einstellung beim Motorradfahren. Der häufigere Gebrauch des Autos im Winter hat das facettenreichere Motorradfahren etwas verdrängt und der Kopf muss sich erst wieder aufs Biken umstellen. Denn beim Fahren mit dem Motorrad fließen meist eine viel höhere Anzahl an potentiellen Gefahren auf den Biker ein, als dies beim Autofahren der Fall ist. Das liegt zum einen daran, dass man mit dem Motorrad meist flotter unterwegs ist und somit leichter übersehen wird. Zum anderen verzeiht ein Motorrad ein übersehenes Schlagloch bzw. einen herumliegenden Gegenstand bei weitem weniger moderat, als ein Auto.
Eine hundertprozentige Konzentration aufs Fahren und eine weit vorausschauende Fahrweise sind demnach das A und O des Motorradfahrens.

Wie sitze ich eigentlich richtig auf meinem Motorrad?
Was sich im ersten Moment banal anhört, entpuppt sich bei weiterer Erklärung Rudolfs als Denkanstoß, seine persönliche Sitzposition nochmal zu überdenken. Worauf es ankommt ist, möglichst weit vor an den Tank zu rutschen. Der Fuß steht mit dem Fußballen auf den Rasten und nicht etwa mit der Ferse. Bei Betätigen der Hinterradbremse muss der Fuß natürlich nach vorne gestellt werden. Nach dem Bremsvorgang sollte er jedoch wieder zurück gestellt werden. Das Durchfahren einer Kurve gelingt auf diese Weise viel besser, da man ein besseres Gefühl für das Mottorrad hat. Bei richtiger Position kann man das Motorrad sogar mit den Knien etwas nachkorrigieren.
Wenn die Sitzposition zu weit nach hinten gewählt wird, und die Arme langgestreckt zum Lenker vor greifen müssen, hat man keine gute Kontrolle über sein Bike. Das Ausweichen mittels Lenkstoßimpuls wird erschwehrt.

Sitzposition
Briefing

Nach etwas Theorie geht Rudolf zum praktischen Teil über. Zuvor wird jedoch noch genau erläutert, worauf es bei den einzelnen Übungen jeweils ankommt. Die Teilnehmer verfolgen aufmerksam Rudolfs Erläuterungen: "Es gibt einen Punkt, wo das Motorrad von selbst fährt." Gemeint ist dabei die stabilisierende Wirkung der Kreiselkraft der Räder. Um diesen Punkt zu finden, damit das dynamische Fahrverhalten der eigenen Maschine besser verinnerlicht wird, wurden verschieden Übungen gefahren. Eine gewisse Portion Überwindung gehört da schon dazu, weil auf diese Weise sonst nie gefahren wird.

Fahren stehend, einarmig

Relativ harmlos geht es los mit Fahren im Stehen und einarmiges Fahren im Stehen (siehe Bild links).
Etwas an Akrobatik wird jedoch voraus gesetzt, als stehend auf einer Seite des Motorrades gefahren wird (rechts im Bild). Wie schnell muss ich fahren, damit es nicht kippelig wird? Wo ist der Punkt, bei dem das Bike fast von selbst fährt? Mit dieser Übung konnte man diese Fragen sehr gut "erfahren".

Fahren stehend, seitlich

Hier setzt Peter an, um bei etwas schnellerer Geschwindigkeit als Schritttempo kniend auf dem Sattel zu fahren.
Spätestens jetzt ist man mehr oder weniger nur noch Passagier. Das Bike fährt praktisch von selbst. Der Punkt des stabilen Geradeauslaufs ist gefunden.

Fahren kniend
Slalom langsam

Der langsame und schnelle Slalom sind bekannte Füherscheinprüfungspunkte. Beim langsamen Slalom (siehe links) wurde zur Motivation zusätzlich die Zeit gestoppt. So mancher wollte es jedoch dann untertreiben und musste feststellen, dass sein Bike im Stillstand doch recht instabil wird. Fuß absetzen kostet einen Strafpunkt.
Der schnelle Slalom (siehe rechts) wurde um eine Bremsung in Schräglage nach dem letzten Hütchen ergänzt.

Slalom schnell
Pause

Nach soviel Akrobatik ist erst mal eine Pause angesagt. Unsere Mädels entspannen sich beim Schaukeln. Die nächste Übung verlangt nämlich einen klaren Kopf und hohe Konzentration. Es handelt sich um die Paradedisziplin richtiges Bremsen mit dem Motorrad.

gib Gummi!

Ein Highlight des Tages war sicherlich die Gefahrenbremsung aus 50 - 60 km/h. Zum Thema "wie bremse ich richtig" gibt es viel zu erzählen und führt an dieser Stelle zu weit. Wir beschränken uns hier auf das Wichtigste: Bei der Gefahrenbremsung darf die Vorderradbremse nicht mit einem Schlag voll gezogen werden (es sei denn, man bremst mit ABS). Wer dies tut, verursacht ein blockierendes Vorderrad. Viel Zeit zum Überlegen bleibt dann nicht mehr. Wer die Bremse dann nicht sofort löst, geht ziemlich schnell aufs Ohr.
Entscheidend ist vielmehr, dass man dem Motorrad einen Augenblick Zeit gibt, bis sich die dynamische Achslastverlagerung vollzogen hat: Der Schwerpunkt verlagert sich beim Bremsen nach vorne auf das Vorderrad. Das Hinterrad wird immer leichter. Je größer der Druck auf das Vorderrad wird, um so stärker kann dann auch die Bremse gezogen werden, ohne dass es blockiert. Hinten bremst dann relativ wenig - der Reifen hat viel Schlupf und man lässt viel Gummi auf dem Asphalt liegen (links im Bild).

Wer den Dreh raus hat mit der dynamischen Achslastverlagerung kann es auf die Spitze bringen: Marco zeigt einen "Stoppi". Über 250 kg werden von einer relativ kleinen Gummi-Auflagefläche gehalten, ohne das es blockiert. Hier wird die Bremskraft der Voderradbremse optimal ausgenutzt.

Stoppi
hier raucht es!

Wie gesagt, wohl dem, der ABS sein Eigen nennen darf. Doch was passiert, wenn dieses einmal ausfällt, sei es wegen eines technischen Defektes, oder weil es versehentlich deaktiviert wurde?
Johannes probiert es an seiner BMW R1100 GS aus und schaltet sein ABS ab. Wie gewohnt langt er herzhaft in die Vorderradbremse und erlebt sein blaues Wunder: Es blockiert sofort, doch er macht erst sehr spät wieder die Bremse auf. Resultat: Jede Menge Rauch und eine ordentliche Gummispur. Nur gut, dass er das Ganze hier unter relativ gut kontrollierbaren Umständen auf dem Parkplatz ausprobiert hat. Hier gibt es auch noch ein kleines Video dazu als Beispiel, was man tunlichst vermeiden sollte: Blockierendes Vorderrad